Michael Krzyzanski

IT und andere Skurrilitäten

Eigentlich wichtig

Dieser Eintrag ist lang, doch ich verspreche, für die die durchhalten und Essen mögen lohnt er sich.

Eigentlich wollte ich in meinen Blogs nie großartig Werbung für etwas machen. Eigentlich. Denn Eigentlich ist daran etwas wunderbares vielleicht gescheitert. Doch wie soll ich sagen bei diesem Scheitern ist aus etwas ganz tollem, etwas gas wunderbares geworden.

Verwirrend?

Natürlich verwirrend und deshalb nochmals zurück auf Anfang.

In Remscheid gab es mal vor ein paar Jahren eine kleine Kneipe mit angeschlossener Küche und eben dieser Laden fand einen neuen Pächter einen stämmigen Mann aus Köln, der für seine Familie nach Remscheid umgezogen war. Er machte Schnitzel und gut bürgerliche Küche, er macht Salate und er kochte begnadet gut in diesem Bereich. Doch manchmal reicht es nicht aus gut zu sein und der Laden ging ein. Das machte mich traurig, doch wie es eben in der schnelllebigen Zeit ist, ich dachte nicht mehr großartig darüber nach.

Vor etwa einem halben Jahr fingen diverse Menschen um mich herum aber von diesem Italiener zu reden. Von diesem tollen Laden mit diesem tollen Essen. Was mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war, sie redeten von eben diesem Laden. Meinem alten, bestes-Schnitzel-überhaupt-Laden-der-plete-ist. Ich war ein paar mal mit dem Auto dran vorbeigefahren aber nie realisiert, dass jemand eine neue Leuchtreklame und ein paar Fahnen aufgehängt hatte. Eine kleine nicht besonders aussehende Pizzeria wie es sie in der Nachbarstraße zu Hauf gibt.

Irgendwann sagte mein Vater, dass wir zu diesem neuen Italiener müssen und ich staunte nicht schlecht als ich vor der Tür eben dieses Hauses stand, dass etwas mitgenommen aussieht und das von Außen nicht gerade kulinarische Erlebnisse sondergleichen verspricht.
Ich ging hinein, stellte fest, dass es immer noch fünf Tische und einen Tresen gab und war gespannt was da kommen würde. Ich begann die Karte zu studieren und stellte fest, dass sie aus nur einer einzigen Seite bestand.

Wie in Italien.

Die Kellnerin eine freundliche und gastfreundliche Frau kam zum Tisch und erklärte, dass es neben der Karte auch noch ein Tagesgericht gibt.

Genau, wie in Italien.

Ich ließ mich nicht beirren und wir bestellten eine Vorspeisenplatte, während wir noch immer darüber nachdachten, was wir denn bestellen sollten. Bevor, die Vorspeise kam, gab es einen kleinen Gruß aus der Küche und alleine dieser Gruß war bereits so göttlich zum niederknien, dass ich mir anfing darüber nachzudenken ob der Straßenlärm, von der italienischen Landstraße stammte, auf der wir bis zu dieser kleinen Raststätte gefahren sind.

Dann kam die Vorspeisenplatte und wie soll ich sagen, wir trauten uns trotz des Anblicks von wunderbaren eingelegten Gemüse, Wurst, Käse usw. tatsächlich etwas zu bestellen. Mein Vater hatte ein Steak mit Gorgonzolasauce bestellt, meine Mutter hatte Pasta geordert und ich hatte mich ebenfalls für Pasta Roma entschieden. Eine Pasta mit Bandnudeln und Meeresfrüchten.

Als wir bereits völlig satt waren kam das Essen. Die Gespräche waren bei Vorspeisen und Wein hatten zu der Erkenntnis geführt, dass man wohl keinen Nachtisch mehr sehen würde, an diesem Tag.

Wie gesagt, das Essen kam und als diese Pasta vor mir stand, war ich sicher, dass ich in Italien bin. So etwas bekommt man nicht in Deutschland serviert. So etwas bekommt man in Italien serviert, in einer dieser kleinen Tratorias entlang der Landstrassen, in der Toskana zum Beispiel. Irgendwann kam der Koch aus der Küche, ein freundlicher, zurückhaltender und überaus freundlicher Mann, das perfekte Abbild wie ich mir einen Koch vorstelle. Jemand, dem man ansieht, dass er das Essen und Kochen leidenschaftlich liebt.

Der Abend ging wunderbar und ohne Nachtisch zu Ende  und ich sagte mir immer wieder, dass ich wiederkommen muss und, dass ich vor allem viele Leute zu dem Laden schleppen muss, damit auch andere Menschen die das Essen lieben sich daran erfreuen können.
Doch es kommt ja immer irgendwie anders und die Monate zogen ins Land und jedes mal wenn ich wieder an dem Laden vorbeikam blickte ich sehnsüchtig zu den Fenstern.

Heute stand der letzte Arbeitstag im Leben meiner Mutter an und sie lud mich zum Essen ein. Sie fragte wohin und hatte den einen oder anderen Vorschlag gemacht, doch mir war klar wohin. Es gab nur einen Ort wohin ich wollte.

Von außen war alles wie immer, bis auf ein Schild, dass darüber informierte, dass es nun auch Pizza gibt, jedoch zum mitnehmen und als Angebot. Zum einen wusste ich nicht wie ich das interpretieren sollte und machte mir schon Gedanken. Vielleicht läuft der Laden nicht so gut. er liegt ja doch etwas weit ab vom Schuss. Wenig Laufpublikum. Vielleicht schliesst der Laden bald. Sorgen durchzogen mein Gehirn.
Im Inneren war es wie immer, fünf Tisch, Tresen und ein älteres Pärchen, das sich durch seine Vorspeise arbeitete. Die nette Kellnerin brachte und zu einem kleinen Tisch und wir bestellten jeweils ein Glas Tafelwein und begannen die Karte zu studieren. Dann kam der Gruß aus der Küche.

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Ein wunderbares leicht getoastetes Brot aus der Pfanne mit Tomaten, Möhren, Petersilie und Ölmischung, mit etwas Balsamico Creme. Ich weiß nicht woher der Mann sein Gemüse bezieht, der Geschmack einfach grandios. Tatsächlich viel mir auf, dass dieses mal der Gruß ganz anders war. Beim ersten mal, hatte es auch ordentlich Knoblauch gegeben, doch so unter der Woche will der Mann die Leute wohl nicht dazu bringen, dass sie sich am nächsten Tag nicht mehr zu Arbeit trauen.

Die Kellnerin unterrichtete uns, dass es ein Tagesgericht geben würde, Spaghetti mit Meeresfrüchten. Ich musste nicht lange überlegen,. das war meine Wahl. Meine Mutter hingegen entschied sich für die einzige Pizza auf der Karte. Eine mit fischen Pilzen.
Wir tranken unseren Wein und frönten der Unterhaltung und warteten bis das Essen kam.

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Was soll ich sagen. Während die Pasta beim vorherigen Besuch eine wunderbare Schärfe besaß, war ich gebannt ob mich hier jetzt einfach der gleiche Geschmack erwarten würde. Ich hoffte und wurde nicht enttäuscht. Dieses mal war der Geschmack ins süsse tendierend mit einem leichten Geschmack von Meer. Die Muscheln ein Gedicht.

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Meine Mutter liess mir ein kleine Stück ihrer Pizza übrig. Warum? Weil sie der Meinung war dass ich unbedingt probieren müsste. Ja, warum? Die Pizza war mit frischen Pilzen mit wunderbaren Aroma  und einen intensiven Geschmack. Abgerundet wurde das Ganze mit ein paar Tomaten die dem Ganzen einen angenehmen Ausgleich gaben.

Irgendwann kam auch der Koch aus seiner Küche und erkundigte sich ob es schmeck. Was sollte ich sagen, weinen erschien mir zu persönlich also bestätigte ich ihm das es genau so schmeckt, wie ich es aus Italien kenne und das schien ihm zu bestätigen, dass es mir schmeckte, den er lächelte zufrieden und verschwand wieder in seiner Küche.

Völlig überfressen und mit Gegenwehr meiner Mutter entschied ich mich ernsthaft nach einem Dessert zu fragen. Scheinbar fragt niemand nach Dessert, denn die Kellnerin musste in der Küche nachfragen, was es als Dessert gibt.

Es gibt derzeit Zitronensorbet in einem leichten bitteren Wehrmut.

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Wir haben beide genascht. Na gut meine Mutter hatte genascht und ich hatte es schnell aufgegessen. Cremig und dann doch wieder nicht. Grandios, als Abschluss, weil es ein wunderbarer Kontrast zu den vorhergehenden Speisen war.

Mit all dem was ich hier schreibe will ich natürlich nur eines erreichen, dass mir dieser wunderbare Restaurant erhalten bleibt. Doch auch, damit sich andere an diesem wunderbaren Essen erfreuen können. Wenn mich jemand gefragt hätte ob man in Deutschland so wunderbar essen kann wie in Italien, dann hätte ich keine Adresse nennen können. Doch jetzt, jetzt kann ich eine nennen. Das Restaurant heißt Trattoria Il Tramonto und man findet es in Remscheid, in der Steinbergerstraße 7 und es hat eine
Internetseite aus den 80ern. Die Internetseite ist vielleicht so grausam wie das Essen wiederum so lecker ist, alles braucht wohl einen Ausgleich.

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